Die Stadt Rüsselsheim macht mit beim bundesweiten Open Source Wettbewerb „Öffentliche Verwaltung". Der Magistrat hat dafür ein Projekt eingereicht: SovereignDesk. Bis zur Smart Country Convention 2026 läuft das Community-Voting. Jede Stimme zählt nur einmal, und wer sie abgibt, kann sie nicht mehr ändern.
Was ist SovereignDesk?
Stellen Sie sich einen digitalen Arbeitsplatz vor, der nicht aus zehn verschiedenen Programmen von zehn verschiedenen Anbietern besteht, sondern aus einem einzigen, zusammenhängenden Raum. Dokumente bearbeiten, Aufgaben verteilen, Projekte steuern, sich in Meetings austauschen, Umfragen starten - alles an einem Ort. Genau das ist SovereignDesk.
Die Idee ist nicht, alles neu zu erfinden. SovereignDesk baut auf bewährter Open-Source-Software auf und verbindet sie so, dass Nutzerinnen und Nutzer den Wechsel zwischen den einzelnen Werkzeugen kaum noch spüren. Dazu kommen KI-Funktionen: eine Suche, die über alle Inhalte hinweg funktioniert, ein System, das mit vorhandenem Wissen „spricht", und Unterstützung beim Formulieren von Texten.
Warum macht die Stadt das?
Der Grund lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Kontrolle über die eigenen Daten. Wer Software von einem einzelnen großen Anbieter mietet, gibt ein Stück Unabhängigkeit ab. Der Fachbegriff dafür heißt Vendor-Lock-in - man hängt an einem Anbieter fest und zahlt, was verlangt wird. Open Source funktioniert anders: Der Quellcode liegt offen, die Daten bleiben in der eigenen Hand, und der Betrieb kann in europäischen Rechenzentren stattfinden.
Dahinter steht ein zweites Motiv: Geld. Lizenzgebühren für proprietäre Software entfallen. Wo heute mehrere Einzellösungen nebeneinander laufen, mit jeweils eigenem Einarbeitungsaufwand und eigenen Fehlerquellen, tritt eine Plattform an ihre Stelle. Das spart Zeit und reduziert Reibung im Arbeitsalltag.
Und drittens: Nachhaltigkeit im wörtlichen Sinn. Der modulare Aufbau erlaubt es, einzelne Bausteine auszutauschen, ohne das ganze System neu aufzubauen. Das verlängert die Lebensdauer der Lösung, statt sie nach ein paar Jahren komplett zu ersetzen.
Was hat das mit digitaler Souveränität zu tun?
Digitale Souveränität klingt abstrakt, meint aber etwas sehr Konkretes: selbst entscheiden können, wo die eigenen Daten liegen, wie sie verarbeitet werden und wer Zugriff hat. Für eine Kommune ist das keine akademische Frage, sondern betrifft Datenschutz, Handlungsfähigkeit und letztlich auch Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger.
Mitmachen
Wer sich das Projekt genauer ansehen und mitentscheiden möchte, findet die Einreichungen und das Voting unter open-source-wettbewerb.de. Einen ausführlichen Vortrag zu SovereignDesk gab es bereits auf den Chemnitzer Linuxtagen 2026.