Vandalismus an Rüsselsheimer Schulen: Das Problem ist bekannt. Was wurde getan?
Neun Schulleitungen und der Stadtschülerrat traten Anfang September 2026 geschlossen im Kultur-, Schul- und Sportausschuss auf. Ihr Anliegen: Schluss mit Schildern, her mit echtem Schutz. Wer die Rüsselsheimer Presse der vergangenen 16 Monate liest, stellt eine Frage: Warum steht dieses Thema heute noch auf der Tagesordnung – und nicht längst eine Lösung?
Mai 2025: Der erste öffentliche Warnruf
Schon im Mai 2025 forderte ein MSP-Kommentar, das Konzept der offenen Schulhöfe der Realität anzupassen. Anlass war unter anderem die Sophie-Opel-Schule, über deren Gelände Rollerfahrer und E-Bikes brettern. Die Stadt reagierte mit einem Pilotprojekt: „Sicherheitskonzept Außengelände".
Quelle: Das offene Konzept muss der Realität angepasst werden, Jasmin Takim, 03.05.2025
Juli 2025: Zahlen auf dem Tisch
Zwei Monate später bezifferte die SPD-Fraktion den Schaden: 88.000 Euro allein im Jahr 2023 für die Beseitigung von Vandalismusschäden – viermal so viel wie 2021. Die Fraktion beantragte gezielte Schutzmaßnahmen: Zäune, Beleuchtung, Videoüberwachung. Fünf Schulen gingen ins Pilotprojekt: Sophie-Opel-Schule, Eichgrundschule, Goetheschule, Max-Planck-Gymnasium, Immanuel-Kant-Gymnasium.
Quelle: SPD fordert besseren Schutz der Schulen vor Vandalismus, Dorothea Ittmann, 15.07.2025
November 2025: Die Ankündigung
Bürgermeister und Schuldezernent Murat Karakaya (SPD) reagierte auf erneute Einbrüche mit einem Facebook-Appell. Er kündigte eine „AG Vandalismus" an. Deren Auftrag: kleine, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen für vier bis sechs der 17 städtischen Schulen erarbeiten. Eine komplette Einzäunung schloss er aus – pädagogisch und gesellschaftlich nicht gewollt. Sein Weg: Prävention über Sport- und Jugendarbeit.
Quelle: Karakaya zu Vandalismus: „Müssen unsere Schulen schützen", Jan Pfaff, 12.11.2025
September 2026: Der geschlossene Auftritt
Zehn Monate nach dieser Ankündigung liegt dem Ausschuss ein Tagesordnungspunkt vor: die Anpassung der Spielplatzsatzung. Konkret heißt das: einheitliche Schilder, Zugang bis 20 Uhr. Mehr nicht. Die Ergebnisse der fünf Pilotschulen sollen erst Ende 2026 vorgelegt werden.
Neun Schulleitungen halten das für zu wenig. Beate König (Immanuel-Kant-Schule) berichtet von Glasscherben und zerstörten Fenstern, die Schüler morgens vorfinden. Kristin Becker (Grundschule Königstädten) von nächtlichen Grillgelagen auf dem Flachdach und einem Holzzaun, der wöchentlich repariert werden musste. Andrea Gergen (Schillerschule) von Überdachungen, die zum Trinken einladen. Thomas Hoffmann (Werner-Heisenberg-Schule, Trägerschaft Kreis Groß-Gerau) berichtet dagegen: Seit sein Schulgelände eingezäunt ist, gibt es keine Probleme mehr.
Quellen: Rüsselsheimer Schulen haben Vandalismus auf ihren Schulhöfen satt und Der Schulhof darf kein Wohlfühlort für nächtliche Randalierer sein, Andrea Volb, 02.09.2026
Was wurde umgesetzt – was nicht?
Umgesetzt: ein Pilotprojekt mit fünf Schulen (Start 2025), eine interne Arbeitsgruppe, eine einheitliche Beschilderung der Nutzungszeiten.
Nicht umgesetzt: die im November 2025 versprochenen kurzfristigen Maßnahmen. Zäune, Videoüberwachung oder Beleuchtung – die Instrumente, die SPD-Fraktion und Schulleitungen seit Juli 2025 fordern – tauchen im September 2026 in keiner beschlossenen Maßnahme auf. Die Auswertung des Pilotprojekts steht noch aus.
Offene Fragen
- Was genau ist aus der im November 2025 angekündigten AG Vandalismus geworden? Welche „kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen" wurden an welchen Schulen tatsächlich erprobt?
- Warum verzögert sich die Auswertung des Pilotprojekts bis Ende 2026 – anderthalb Jahre nach dessen Start?
- Wer entscheidet am Ende über bauliche Maßnahmen wie Zäune: das Schuldezernat, ein anderes Amt, die Stadtverordnetenversammlung? Diese Zuständigkeit wird in keinem der bisherigen Berichte konkret benannt.
- Die Werner-Heisenberg-Schule, die nicht in städtischer, sondern in Kreisträgerschaft steht, hat bereits einen Zaun – und keine Probleme mehr. Warum gilt diese Lösung für die städtischen Schulen weiterhin als letztes Mittel?
Quellen
- Jasmin Takim: Das offene Konzept muss der Realität angepasst werden, Main-Spitze, 03.05.2025
- Dorothea Ittmann: SPD fordert besseren Schutz der Schulen vor Vandalismus, Main-Spitze, 15.07.2025
- Jan Pfaff: Karakaya zu Vandalismus: „Müssen unsere Schulen schützen", Main-Spitze, 12.11.2025
- Andrea Volb: Rüsselsheimer Schulen haben Vandalismus auf ihren Schulhöfen satt, Main-Spitze, 02.09.2026
- Andrea Volb: Der Schulhof darf kein Wohlfühlort für nächtliche Randalierer sein, Main-Spitze, 02.09.2026